8. Mai Redebeitrag

“Ihr seid keine Sicherheit”
Unseren Redebeitrag zu dieser Demo findet ihr hier.
 
Heute ist der 8. Mai, der Tag an dem die Rote Armee über das Nazi-Regime siegte. Wir stehen heute auf den Straßen um den Heldinnentaten der Befreierinnen zu gedenken und an sie zu erinnern.  
Doch während sich die USA als Befreier rühmt, werden die Rote Armee und andere antifaschistische Kräfte in ihrer Funktion oft außen vor gelassen. Wie kann es sein, dass ein zutiefst kolonialistischer, imperialistischer und rassistischer Staat, immer als erstes genannt wird, wenn es um die Befreiung vom Faschismus geht. 
Ein Staat, den es ohne Faschismus nicht geben würde? Da haut etwas nicht hin. 
Vorallem wenn mit Befreiung gemeint ist, nicht den Ursprung des Faschismus zu bekämpfen. Nämlich rassistisches und antisemitisches Gedankengut. Das Versagen darin sieht man, dass noch heute Behörden existieren, die damals von Nazis mit aufgebaut wurden. Um nur ein Beispiel zu nennen: Die Bundeswehr wurde von Faschisten gegründet, die in der Wehrmacht schon das Sagen hatten.
Da wären wir also mit der sogenannten Entnazifizierung. Heute steht rassistische Polizeigewalt an der Tagesordnung, Aufenthaltsgenehmigungen werden von Behörden verwaltet, die das Kriegsgebiet Afgahnistan als sicheres Herkunftsland bewerten oder Waffenlieferungen an faschistische Dikatoren wie Erdogan. Diese Liste könnte ewig weiter geführt werden.
Warum also jubeln wir am 8. Mai den USA und anderen Kolonialstaaten wie Frankreich und England zu?!
Ja auch Frankreich ist ganz und gar nicht unschuldig. Frankreich ist einer der größten Kolonialstaaten. Sie haben auch heute noch großen Einfluss auf ihre kolonialisierten Gebiete – was sie übrigens abstreiten. Eins dieser Gebiete ist Algerien in Nordafrika. Die Franzosen versprachenden Algerier*innen, die an deren Seite gegen Hitler kämpfen mussten, sogar die Unabhängigkeit, sobald sie ihre eigene erlangten. Also strömten auch in Algerien am 8. Mai, als über Deutschland gesiegt wurde, zehntausende Menschen auf die Straße um nun auch ihre Unabhängigkeit zu feiern. Der Junge Saal Bouzid wollte seine Freude über seine nun erlangte Freiheit zum Ausdruck bringen und schwenkte zum ersten Mal die algerische Flagge. Frankreich machte aber schnell deutlich, dass sie ihr Versprechen nicht halten und jeden Aufstand dagegen nicht dulden würden. Sie erschossen den Jungen und gingen auch im gesamten Rest von Algerien, wo sich der Auftstand schon regte sehr grausam gegen die Demonstrierenden vor. Insgesamt wurden 45.000 Menschen ermordet. Diese Niederschlagung von dem Aufstand ist als das Massaker von Sétif bekannt.
Obwohl seit 1962 Algerien angeblich unabhängig ist, hat Frankreich immer noch in sehr vielen Bereichen seine Finger im Spiel. Die Unabhängigkeit findet nicht mal auf dem Papier statt. Durch wirtschaftliche Bindungen nutzt Frankreich weiterhin seine Macht als Kolonialstaat aus. 
Aber auch die Bevölkerung Algeriens hat genug von Konolialherrschaft. Seit zwei Jahren gibt es die Hirak-Bewegung. Jeden Freitag gehen tausende Menschen auf die Straße. Sie fordern den Rücktritt der Regierung, die die Bindungen mit Frankreich aufrecht erhält. Somit fordern sie die vollständige Unabhängigkeit Algeriens.
Wenn wir also heute am 8. Mai auf die Straße gehen, dürfen wir dieses Massaker nicht verschweigen. 
Wenn wir von dem Kampf gegen den Faschismsus und all seine Facetten wie Kolonialismus und Kapitalismus reden, dürfen wir uns nicht auf die jenigen verlassen, die diese Mechanismen aufrecht erhalten. Gerade heute, jubeln wir nicht diesen Kolonialstaaten zu, wir jubeln antifaschistischen solidarischen Kräften zu, die in der Geschichtsschreibung unsichtbar gemacht werden.
Was wir brauchen sind keine rassistischen Behörden und Staaten die angeblich gegen Rechts agieren. 
Wir brauchen einen selbstorganisierten Antifaschismus. 
Wir dürfen die Geschichte der Kämper*innen vor unserer zeit somit unseren Vorreiter*innen nicht vergessen. Denn wir lernen aus ihren Kämpfen. Wir führen ihre Kämpfe, die zu unseren werden weiter. Heute sollte allen Menschen bewusst werden, was Antifaschismus mit Antikolonialismus und Antiimperialismus zu tun hat. Diese Kämpfe gehen Hand in Hand. Sie sind legitim und gehören nicht kriminalisiert!
Wir solidarisieren uns also mit allen Völkern der Welt, die sich heute noch von Kolonialismus, Faschismus und Apartheid befreien müssen. Ohne Solidarität sind Kämpfe schwach und ohne Kämpfe gegen Unterdrückung gibt es keine Solidarität. 
Also sind wir heute laut. Heute – Morgen – Ja wir werde laut sein bis zur internationalen Befreiung!
 
Hoch die internationale Solidarität!
 
 
 
 

Die Keimzelle ist räumungsbedroht!

 
Keimzelle bleibt! Für den Erhalt aller berliner Jugendräume! 
Die Keimzelle ist ein besetzter, selbstorganisierter Jugendraum in der Rigaerstraße 94. 
Seit fünf Jahren wird die Keimzelle von Jugendlichen selbstverwaltet und genutzt. Wir organisieren Filmabende, Werkstätten und Workshops. Hier werden Demos und Kundgebungen geplant, Transpis gemalt und Solipartys veranstaltet. Während der Pandemie konnten wir unsrere Räume, wie so viele Andere, leider nur bedingt öffnen. Dafür organisierten wir im Sommer Veranstaltungen draußen und unsere Kiezradios. 
Doch wie so viele weitere Projekte in Berlin, sind wir nun akut räumungsbedroht. 
Die Keimzelle ist, wie die Potse, einer der letzten Freiräume in Berlin, vor allem für uns Jugendliche.
Denn im gentrifizierten Berlin ist kein Platz für uns, vor allem nicht, wenn wir eigene Ideen haben. Räume, in denen junge Menschen sich vernetzen, selbstorganisieren und austauschen können, sind nicht vorgesehen. Aber wir brauchen Räume, in denen wir uns abseits von Schule, Arbeit und Familie ausleben können. In die wir uns zurückziehen können, wenn wir keinen Bock mehr auf die ständige Kontrolle und den Druck dieser kapitalistischen Gesellschaft haben. Wir wollen nicht immer überall bevormundet, unterschätzt und vergessen werden! 
Die Zerstörung dieses Raumes werden wir nicht einfach hinnehmen. Wir betrachten diesen Angriff nicht nur als Angriff auf einen Raum, sondern als einen Angriff auf die Jugend dieser Stadt. Wir wollen mit euch gemeinsam solidarische Strukturen aufbauen und bestehende Strukturen stärken. 
Lasst uns Räume nehmen, die Straßen nehmen und uns unsere Stadt zurückholen! Wir sind wütend und wir werden kämpfen! 
Jugend in die Offensive! Freiräume verteidigen! Jede Räumung hat ihren Preis! 
Keimzelle keimt, Jugend bleibt vereint! 
 

Text zur Luxemburg-Liebknecht-Gedenkdemonstration

 
Solange wir kämpfen, seid ihr nicht vergessen – für eine internationale queerfeministische Praxis
 
Am letzten Wochenende beteiligten wir uns auch an der sogenannten LL Demo. Diese Demo wird von einem sehr breiten Bündnis jährlich in Gedenken an die zwei Sozialist*innen Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht organisiert. Sie wurden im Januar 1919 von FreikorpSoldaten grausam ermordet, da sie für die Revolution einstanden und bis an ihr Lebensende für eine freie Räterepulik kämpften. Es wurde versucht, die Ermordung der zwei zu vertuschen, in dem man die Leichen in den Landwehrkanal warf. Die zwei Offiziere, die maßgeblich an der Ermordung beteiligt waren, wurden freigesprochen. Und wer hat das veranlasst? Die SPD. 
Diese anti-kommunistische und anti-emanzipatorische Partei sorgte nicht nur in diesem Fall dafür, Werte, die sie sich auf die Fahne schreibt, wie „sozial“ oder „demokratisch“, zu verunglimpfen. 
Aber dazu später mehr. 
 
Wir erinnern heute unter anderem an diese zwei großen Namen der Widerstandgeschichte Deutschlands. Wir wollen jedoch nicht nur einmal jährlich diesen zwei Menschen gedenken . Wir sehen diese Beiden als Stellvertreter*innen für alle, die diesem System zum Opfer fielen.
Wir stellen uns die Frage, wie wir Erinnerungskultur hierzulande stärken können; was Gedenken eigentlich bedeutet. 
Wir wollen aktiv an die Genoss*innen erinnern. Für uns heißt das vor allem, dass wir uns ihre Ideen und Utopien ins Gedächtnis rufen und dafür sorgen, dass dieses Erbe von allen Revolutionär*innen weitergetragen wird. Um diesem Erbe gerecht zu werden, müssen wir diese Ideen weiterdenken, analysieren und in unsere Kämpfe, vor allem in unsere Praxis miteinbeziehen. Das ist die wertvollste Form des Erinnerns. Denn nur so erhalten wir sie am Leben. 
Und dies wollen wir nicht nur einmal im Jahr tun, wir fordern eine ganzheitliche Erinnerungskultur.
Wer also war Rosa Luxemburg? Wofür hat sie gekämpft?
Sie hat sich zwar nie selbst als Feministin bezeichnet, doch ihr Ziel einer proletarischen Revolution ging für sie nur Hand in Hand mit der Befreiung der Frau. Sie erkannte schon früh, dass Feminismus intersektional gedacht werden muss. Solidarität mit den Frauen im globalen Süden gehörte für sie genauso dazu, wie das Zusammendenken von anderen Unterdrückungsformen, zum Beispiel Klassismus, Rassismus oder Sexismus. Neben ihrem starken kampf gegen Rüstung und Militarismus, setzte sich Rosa lautstark für das Frauenwahlrecht ein. Gemeinsam mit Clara Zetkin stärkte sie die Autonomie und die Organisierung der Frauen mit der ersten internationalen Frauenkonferenz im Jahr 1907, dem ersten internationalem Frauentag am 8. März 1911 und der Frauen Anti-Kriegs-Konferenz im Jahr 1915. Aus der internationalen Frauenkonferenz gründeten sich anschließend in 15 Ländern autonome Frauengruppen. Auch hundert Jahre später sind diese Ideen hochaktuell und aus unseren aktuellen Kämpfen nicht rauszudenken. 
Dass die Stärke und der Kampfgeist, welche mit der Selbstorganisierung von FLINT*Personen verbunden ist, dem Staat ein sehr spitzer Dorn im Auge ist, zeigt sich in den systematischen Tötungen jener FLINTA*, die entschlossen für ihre Befreiung aus den Klauen des Patriarchats kämpfen.
Unzählige solcher Femizide können wir sehen. 
Vor 8 Jahren wurden 3 Frauen tot in einer Wohnung in Paris aufgefunden, bei diesen 3 Frauen handelt es sich um Sakine Cansiz, Leyla Salymez und Fidan Dogan.
Sie waren Frauen, welche ihr ganzes Leben dem Kampf für eine freie Gesellschaft widmeten und voller Leidenschaft für emanzipatorische Ideen einstanden. Im Gedenken an diese 3 Frauen müssen wir uns in Erinnerung rufen, was ihre Kämpfe ausgemacht haben und warum es wichtig ist, diese Kämpfe weiterzuführen.
Sakine baute die Frauenbefreiungsbewegung in Kurdistan mit auf und beteiligte sich an der Gründung der PKK, sie gilt als eine Vordenker*innen der Bewegung. Sie sah die Notwendigkeit des Internationalismus in revolutionären Kämpfen und eignete sich Wissen zu vielen Frauenbewegungen weltweit an.
Für sie war die Frauenbefreiung ein Grundbaustein einer befreiten Gesellschaft. 
 
Auch hier gilt es hervorzuheben, welchen Hintergrund diese Morde haben. Sie dienen dem Staat für die Aufrechterhaltung seines unterdrückerischen Systems. Auch diese Frauen sind dem  Staat gefährlich geworden, weil sie nicht nur zugeschaut haben, sondern ihr komplettes Leben dem Kampf gegen diese Zustände gewidmet haben. 
Am 9.1.2013 wurden sie hinterhältig erschossen. Die Morde wurden bis heute noch nicht offiziell aufgeklärt. Dass aber der türkische Geheimdienst MIT dahinter steckt, ist mittlerweile zweifelsfrei nachgewiesen.
Die Verflechtungen dieses Geheimdienstes und der faschistischen und FLINTA*-feindlichen Politik der Türkei mit Deutschland sind sehr eng. 
Bereits ab den 60ern begann eine sehr enge Kooperation des MIT mit dem BND. Der Informationsaustausch beider Geheimdienste war immer sehr hoch. Auch sorgte Keßling (Vizepräsident des BND in den 80ern) dafür, das der MIT stets mit Überwachungs- und Spionagetechnik aus der Bundesrepublik ausgestattet wurde. Noch heute wird die Arbeit des MIT, wie zum Beispiel die Repression gegen oppositionelle Bewegungen, von Deutschland hingenommen, sogar unterstützt. Man könne es sich schließlich nicht erlauben, dass wirtschaftliche Beziehungen mit der Türkei darunter leiden. Schließlich führt Deutschland, allen voran Heiko Maas, Außenminister und SPD Politiker, nach wie vor seine kriegstreiberische Politik und profitiert vom Angriffskrieg der Türkei, indem immer weiter Waffen und Kriegstechnik in die Türkei exportiert werden
Es wird also zugeschaut, wie Menschen in benachbarten Ländern aufgrund von politischer Machthabe ermordet werden. 
Nicht nur aus diesem Grund ist es wichtig, die Verflechtungen der Herrschenden international aufzudecken. Unterdrückungsmechanismen, die auf dem Patriarchat aufbauen, sind weltweit präsent. Also müssen wir auch die Kämpfe dagegen weltweit miteinander verbunden sehen.
Wir müssen die Ideen dieser Frauen miteinander verflochten betrachten.
Wir können es nur noch mal betonen, lasst uns die Praxis der ermordeten Vordenker*innen queerfeministischer Kämpfe ins Gedächtnis rufen und von ihnen lernen und somit an sie erinnern.
 
Damals wie heute werden unzählige FLINT*Personen mit der Legitimation des Patriarchats ermordet. Rosa, Sakine, Leyla und Fidan sind nur ein paar wenige Namen. Das Patriarchat legitimiert sich durch die FLINT*feindliche Politik des Staates. Feminizide geschehen, weil die  Herrschenden meinen, sie könnten über das Leben von FLINT*Personen entscheiden.
Und das geschieht weltweit. Folglich müssen wir uns auch weltweit zusammenschließen und unsere Kämpfe miteinander verbinden. 
Wir müssen uns die Stärke, die Rosa, Sakine, Leyla, Fidan und noch viele andere FLINT*Personen, in der Selbstorganisierung gezeigt haben, in Erinnerung rufen und unseren Kampf international denken. Denn solange nur eine einzige FLINT*Person auf dieser Welt unterdrückt wird, sind wir noch nicht befreit. 
Wir müssen von allen Genoss*innen lernen, die von diesem System ermordet wurden. Zwar haben sie ihr physisches Leben verloren, aber ihren Kampfgeist tragen wir weiter. Sie sind unsterblich, solange wir weiter für eine Welt ohne Patriarchat und Ausbeutung kämpfen.
 
Für eine internationalistische queerfeministische Praxis!
 
 

25. November internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen*

Femizid – Das Töten von FLINTA*, aus sogenanntem Frauenhass, Morde des patriarchalen Systems. Gewalt, die Cis-Männer nicht strukturell bedroht. Es geht nicht um Homizide. Es geht um die Ermordung von FLINTA* wegen ihres Geschlechts.
Femizid – Ein Wort, ein Begriff, der so banal sein könnte, abstrakt, Wäre er nicht mit so starken Gefühlen belegt. Mit Trauer, Angst und Wut. Da so viel dahinter steht. Genauer gesagt: ca 50.000 Leben pro Jahr. 50.000 Leben pro Jahr, das heißt 137 Existenzen pro Tag, das heißt 5 pro Stunde, das heißt Eine alle 12 Minuten. Eine, alle 12 Minuten – getötet infolge von Partnerschaftgewalt, durch Folter, im Namen der “Ehre”, das gezielte Töten von FLINTA* in bewaffneten Konflikten und Fälle von Femizid in verbindung mit Banden, organisierter kriminaltiät, Drogen sowie Frauen und Mädchen Handel. Ermordet nach dem Prinzip: Die Frau gehört mir – ohne mich oder meine Erlaubnis darf sie nicht leben. Mit dem Wort Femizid hat die südafrikanische Soziologin Dianna Russell die strukturelle Gewalt gezielt verdeutlicht.

Doch wir in Deutschland sind ja von dieser strukturellen Gewalt verschont. Wir sind ja aufgeklärt und haben Gleichberechtigungsbeauftragte. Wenn es bei uns zu “Familiendramen” kommt, wenn sogenannte Morde aus dem Affekt geschehen, dann sind das Einzelfälle.
Versuchte Einzelfälle jeden Tag. Tödliche Einzelfälle alle 72 Stunden.
111 tötliche Femizide, 200 versuchte Femizide im vergangenen Jahr.
Dabei verhamlosen solche Begriffe, Begriffe wie “Familiendrama” und “Eifersuchtstragödie” diese strukturelle Gewalt. Es ist wichtig, die Morde beim Namen zu nennen, um sie bekämpfen zu können. Denn das Motiv eines Femizides ist der FLINTA*hass des Täters, sein festgefahrener Sexismus.

Doch mit diesen Zahlen sind noch nichtmal alle genannt. Denn in den Kriminalitätsstatistiken des BKA sind zwar Morde an Frauen durch Partner erfasst, nicht aber all die anderen Auswüchse dieses Begriffes Femizid – Denn nicht alle FLINTA* sind auf gleiche Weise von struktureller patriarchaler Gewalt betroffen –
BIPOC Menschen,indigene Menschen, homosexuelle Menschen und Transmenschen sind durch die aktuellen gesellschaftlichen Verhältnissen besonders gefährdet. Doch davon findet sich in den Statistiken keine Spur.

Aber schauen wir uns einmal an, was wir wissen. Zunächst einmal: Bei 2/3 der Morde durch aktuelle oder Expartner in Deutschland, sind FLINTA* die Opfer. Und auch bei anderen Formen von Partnerschaftsgewalt wie Körperverletzung, Vergewaltigung oder Stalking sind 82 Prozent der Betroffenen Frauen. Doch auch eine Trennung stellt oft keinen Schutz dar; 2/3 der Femizide passieren während einer Trennung oder danach.

Aber eigentlich fängt das Ganze schon viel früher an.
Denn hinter dem Begriff steht noch so viel mehr. Ein ganzes System, ganze Welten und Strukturen, welche immer und immer wieder erlauben und begünstigen, dass FLINTA* frühzeitig aus dem Leben gerissen werden.

Systeme, die mit Augenscheinlich Kleinen Dingen beginnen. Mit sexistischen sog. Herrenwitzen, mit catcalling, begrapschen, der Ausrede boys will be boys und Beschuldigung der Betroffenen. Mit Eifersucht, Besitzansprüchen, psychischer und physischer Gewalt. Mit Normalisierung, über Abwertung bis hin zu dem Punkt, wo Cis-Männer sich das Recht raus nehmen FLINTA* das Leben zu nehmen.

Und Deswegen sind wir wütend – bei jedem Fall erneut. Wütend, weil das nicht hätte passieren müssen, wütend denn das hätte nicht passieren dürfen, wütend, weil nicht alle so wütend sind wie wir. Wütend, weil der Staat immer noch unfähig ist notwendige Maßnahmen zu ergreifen, FLINTA* ernst zu nehmen, wenn sie in Gefahr sind.

Und so hat sich Marcela Lagarde, eine feministische Aktivistin aus Mexiko,
einen neuen abstrakten Begriff ausgedacht. Feminizid – um das Element der Straflosigkeit und die institutionelle Gewalt angesichts der mangelnden Rechenschaftspflicht und Reaktion des staates auf diese Unterdrückung und Gewalt zu erfassen. Ein Begriff, der verwendet wird, wenn es um die Verantwortung des Staates geht, der das Töten von Frauen duldet oder selbst verübt.

Wenn also in Deutschland z.B. FLINTA* in Angst vor einem Partner oder Expartner die Hilfe der Polizei suchen und diese nichts tun, weil es ja was persönliches sei. Oder wenn das Strafmaß für Täter nur gering ausfällt, weil er ja durch den Verlust der Geliebten das eigentliche Opfer sei. Oder es einfach kein Strafbestand Femizid in Deutschland gibt. In anderen Ländern wurde der Strafbestand schon aufgenommen. Dabei musste es erst zu einem Massenfemizid kommen. wir erinnern uns an Montreal Fakultät 1989. 14 Frauen wurden erschossen. Der erste juristisch anerkannte Massenfemizid.
“Ich will nur die Frauen töten, sie wollen Männern die Privilegien wegnehmen” so schrie der Täter der gezielt weiblich gelesenen Menschen das Leben nahm.
Doch selbst die rechtliche Anerkennung reicht nicht aus. So gibt es auch in Kanada immer noch viel zu viele unaufgeklärte Fälle des Verschwindens und der Tötung von vor Allem indigenen FLINTA*.

Und daraus folgt Angst, die Angst, dass die gesamte Existenz des eigenen seins, als eine weitere Nummer in der Statistik endet. Bzw noch nicht einmal als das. Weil der Staat und ein Großteil der Gesellschaft die Komplexität des Begriffs ganz einfach nicht anerkennt, sich nicht mal darum bemüht es zu verstehen. Und dazu kommt dann die Trauer. Trauer um jede, alle 12 Minuten. Jede, die diesem Begriff zum Opfer fällt. Alle 45 tausend dieses Jahr schon, und alle 5tausend die es dieses Jahr noch betreffen wird.

Aber gleichzeitig mit diesen Gefühlen ist Wissen und Mut. Das Wissen, dass wir diese Zahlen, diese Auswüchse nicht hinnehmen werden. Das Wissen und der Mut, dass wir hier stehen, Schulter an Schulter um wütend zu sein, unsere Trauer um alle Schwestern* rauszubrüllen und den Tätern zu zeigen: Das was ihr tut, ist nicht ohne Konsequenzen, ihr werdet uns niemals genug Angst machen, dass wir aufhören die Dinge beim Namen zu nennen und auf eine Sache könnt ihr Gift nehmen: Ob mit oder ohne Staat, ob mit abstrakten Worten oder durch Taten, Wir werden uns wehren!

Anbei der Link zu unserem Solivideo: https://vimeo.com/501416203

Am Samstag, 21. November, gemeinsam auf die Straße: Für Silvio Meier, Burat Bektas und alle Opfer rechter und Rassistischer Gewalt!


Heute Gedenken wir allen Opfern rechter und rassistischer Gewalt.
Der Kampf gegen das Vergessen ist wesentlicher Bestandteil antifaschistischer Arbeit.

Der 21. November erinnert uns daran, dass Widerstand bedeutet, sich vor, nicht hinter seine Ideale zu stellen. Widerständig zu leben bedeutet auch eine Angriffsfläche zu sein, somit Gefahr ausgesetzt zu sein und nimmt dennoch das Risiko in Kauf, sich offen und aktiv gegen rechte Gewalt zu positionieren. Wir sind ‘anti’, weil es bei offener Menschenfeindlichkeit kein dafür gibt, aber eben auch keine Enthaltung. Jedes Schweigen ist eine Stimme weniger dagegen. Jedes Wegschauen oder danebenstehen gibt einer Ideologie Raum, die nicht einen Fuß breit Platz in unserer Gesellschaft haben sollte.

Am 21. November 1992 wurde der damals siebenundzwanzigjährige Antifaschist Silvio Meier auf dem U-Bahnhof Samariterstraße von Neonazis ermordet, nachdem er mit ihnen in eine Auseinandersetzung geriet, in der er einem von ihnen einen nationalistischen Aufnäher abriss. Aufgrund seiner antifaschistischen Haltung musste er, wie viele andere Antifaschist*innen, sein Leben lassen.

Dieses Risiko, rechte Gewalt zu erfahren, teilen wir alle. Es ist ein Teil des Kampfes, den wir führen für eine solidarische Gesellschaft, in der wir als Jugendliche eine Perspektive für politisches und selbstbestimmtes Leben haben können.
Wir sind bereit, uns dieser Gefahr auszusetzen. Auch, weil es Menschen gibt, die es sich nicht aussuchen können, die nicht einfach still sein können oder unpolitisch aussehen. BPOCs, Menschen mit Migrationshintergrund. Rechte und Rassistische Gewalt ist ein enormes Problem.
Viel zu oft werden Menschen von Rechtsextremen bedroht, verletzt oder sogar ermordet. Viel zu oft schaut der Staat zu und statt Konsequenzen wird wieder einmal von Einzeltätern geredet.
Doch dass uns der Staat nicht hilft, ist nichts Neues. Nicht umsonst sagen wir, Antifaschismus ist und bleibt Handarbeit. Denn es gilt einen antifaschistischen Selbstschutz zu organisieren. Konkret heißt das Hinschauen, füreinander dasein, laut sein, errinnern und vor allem weiterkämpfen, gemeinsam.
Weil wir gemeinsam stärker sind, ist es wichtig, dass wir uns organisieren. Gerade in Zeiten der Isolation gilt es, weiterhin aktiv zu bleiben und sich zu vernetzen.

Weil rechte Gewalt auch vor uns Jugendlichen nicht halt macht und weil wir traurig und wütend sind, wollen wir gemeinsam gegen rechte und rassistische Gewalt auf die Straße gehen. Kommt mit uns diesen Samstag, den 21. November 2020,(zuerst zur Gedenkkundgebung für Silvio am U-Samariterstraße und lasst uns dann gemeinsam zur Demonstration um 18 Uhr zur “Fight Back!”-Demonstration fahren! Der Startpunkt für die Demonstartion ist der Gedenkort für Burat Bektaş, Rudower Str. Ecke Möwenweg in Neukölln.

Kein Vergeben, Kein Vergessen! Erinnern Heißt Kämpfen!

Kein Freiheitskampf ohne Feminismus!

Im Rahmen der Kobane Aktionstage, haben wir uns als Flint*-Organisierung der Solidarischen Jugend Bewegung zusammengetan und wollen einen kleinen Teil zum 4. Tag dieser Woche beitragen.
2015 wurde die, vom sogenannten Islamischen Staat besetzte Stadt Kobane, von Verteidigungseinheiten der YPG/YPJ befreit. Kobane ist eine von 3 Kantonen der selbst verwalteten Region Rojava. Mit dem Angriff des IS wurde neben etlichen Zivilist*innen und Familien, auch der emanzipatorische Freiheitskampf der Kurd*innen, angegriffen.
Um an diesen beeindruckenden Widerstand der Kämpfer*innen zu erinnern und die Ideen der Revolution in Rojava hochzuhalten, finden dieses Jahr auf der ganzen Welt eine Woche lang Aktionen statt, die die verschiedenen thematischen Schwerpunkte des Freiheitskampfes in Kurdistan aufgreifen und auf die Straße bringen.
Der heutige Tag findet unter dem Motto Frauen*Kampf statt.
Die Parole Jin, Jiyan, Azadi heißt so viel wie Frauen, Leben, Freiheit. Es sind 3 sehr zentrale Begriffe der kurdischen Freiheitsbewegung die sich, anders als in der kapitalistischen Gesellschaft, gegenseitig bedingen und zusammen gedacht werden. Sie sind eine Art Leitfaden, wegweisend für eine befreite Gesellschaft. Aus diesen 3 Worten ergeben sich Fragen, die das Fundament einer emanzipatorischen Bewegung bilden. Wie wollen wir Leben? Was bedeutet Freiheit? Welche Position nimmt die Frau* im Kampf für ein lebenswertes Leben ein?
Eine der Vordenker*innen der Frauen*befreiungsbewegung in Kurdistan war Sakine Cansiz (*1958).Sie erkannte früh die Notwendigkeit der autonomen Organisierung der Frauen*. Sie ging als junge Frau* bereits in die Betriebe und organisierte dort Arbeiter*innen, außerdem setzte sie sich mit ihrer starken Persönlichkeit bei vielen Autoritäten durch und entwickelte so in sehr jungen Jahren eine starke revolutionäre Persönlichkeit.
Sie war vielen patriarchalen Machtstrukturen ausgesetzt, stellte sich jedoch selbstbewusst dagegen und baute die Frauen*befreiungsbewegung auf. Sie sah auch die Notwendigkeit des Internationalismus und eignete sich Wissen zu vielen Frauen*Bewegungen weltweit an.
Mit ihrer entschlossenen Haltung schrieb sie im ersten Teil ihrer Trilogie “Mein ganzes Leben war ein Kampf” zum Thema Frauenorganisierung:”Es war keine leichte Aufgabe, sich das notwendige Wissen über die Theorie und Praxis der Frauenbewegungen weltweit von der Vergangenheit bis heute anzueigen und daraus Schlüsse für Kurdistan zu ziehen. Vor uns lag eine ebenso schwierige wie auch schöne und wichtige Arbeit. Ich hatte keine Befürchtungen diesbezüglich und stellte nicht in Frage, ob es uns gelingen würde. Es war die schönste und notwendigste Arbeit, die ich mir vorstellen konnte”.
Die Selbstorganisierung der Frau ist mit einer enormen Stärke und einem großen Kampfgeist verbunden. Wie wir in der Vergangenheit sehen können, waren genau diese Werte und die Emanzipation der Frauen* dem Kapitalismus schon immer ein Dorn im Auge. Sakine wurde 2013 mit 2 weiteren Mitstreiterinnen vom türkischen Geheimdienst ermordet. Die Herrschenden konnten nicht ertragen, dass sich Frauen gegen ihre Unterdrückung zur Wehr setzten. Ein anderes Beispiel von unzähligen Versuchen die Stimme der Frau zu nehmen, ist die Ermordung von Rosa Luxemburg.
Rosa Luxemburg (*1871) wurde wie Sakine Cansiz der Repression des Staates und des Faschismus ausgesetzt und wurde am 15.01.1919 von Freikorpssoldaten ermordet. Sie bezeichnete sich selbst nie als Feministin. Doch ihr Ziel einer proletarischen Revolution ging für sie nur Hand in Hand mit der Befreiung der Frau. Sie erkannte schon früh, dass Feminismus intersektional gedacht werden muss. Soliadriät mit den Frauen im globalen Süden gehörte für sie genauso dazu, wie das Zusammendenken von anderen Unterdrückungsformen, wie zum Beispiel Klassismus, Rassismus oder Sexismus. Rosa Luxemburg setzte sich lautstark für das Frauenwahlrecht ein. Ihre Rede zum Frauenwahlrecht schloss sie mit den Worten ab : „Die jetzige kraftvolle Bewegung der Millionen proletarischer Frauen, die ihre politische Rechtlosigkeit als ein schreiendes Unrecht empfinden, ist ein (…) untrügliches Zeichen, dass die gesellschaftlichen Grundlagen der bestehenden Staatsordnung bereits morsch und ihre Tage gezählt sind. (…) Auch durch den Kampf um das Frauenwahlrecht wollen wir die Stunde beschleunigen, wo die heutige Gesellschaft unter den Hammerschlägen des revolutionären Proletariats in Trümmer stürzt.“ Gemeinsam mit Clara Zetkin stärkte sie die Autonomie und die Organisierung der Frauen mit der ersten internationalen Frauenkonfrerenz im Jahr 1907, dem ersten internationalen Frauentag am 8. März 1911 und der Frauen Anti-Kriegskonferenz im Jahr 1915. Aus der internationalen Frauenkonferenz gründeten sich anschließend in 15 Ländern autonome Frauengruppen.

Auch zwanzig beziehungsweise hundert Jahre später sind die Ideen der Kämpferinnen hochaktuell. Unser Feminismus ist intersektional und ebenso nicht aus anderen Freiheitsbewegungen rauszudenken. Um zu einer freien Gesellschaft zu kommen, ist die Befreiung der Frau* notwendig. Nach wie for gilt es, uns als FLINTA* (auch autonom) zu organisieren, um uns zu emanzipieren. Denn es gibt viel zu tun. Damals wie heute leben wir im Patriarchat und werden Tag für Tag unterdrückt und ausgebeutet. Von schlecht bezahlter Arbeit und weniger Aussicht auf Führungsposten, alltäglicher sexueller Belästigung und Objektifizierung bis hin zu Femiziden, vielerorts kaum Bildungschancen, kompletter Bevollmächtigung der Ehemänner und so weiter. Häufig ist die Unterdrückung auch mit anderen Diskriminierungsformen wie beispielsweise Rassismus verbunden. In jedem Fall steht der Kampf gegen die patriarchale Unterdrückung niemals allein, sondern im Kontext vieler Kämpfe. Wir müssen uns sowohl im eigenen politischen Kontext, als auch global vernetzen und organisieren, um für die weltweite Emanzipation der FLINTA* zu kämpfen. Gerade wir als junge FLINTA* brauchen Schutzräume, um uns zu entfalten; haben in der Hand, wie die Zukunft aussehen soll. Wir können von unseren Vorgänger*innen lernen und zusätzlich unsere eigenen Wege finden.
Also noch einmal klar und deutlich:

Keine Freiheitsbewegung onhe Feminismus!
Gegen den Faschismus und das Kapital; unser Feminismus ist intersektional und international!
FLINTA* WORLDWIDE, UNITE!

From Keimzelle to Kobanê: JIN, JIYAN, AZADÎ!

Selbstkritik:
Im Text haben wir den Fokus besonders auf zwei Persönlichkeiten gelegt, die in der Vergangenheit Teil der Emanzipationsbewegung waren und für viele Menschen Bezugsperson beziehungsweise Heldin sind. Auch wenn sie jeweils wichtige Rollen im feministen sowie generellen Freiheitskampf spielten, gab es noch viele weitere Frauen*, die um sie herum, mit ihnen gemeinsam oder auch schon vor ihnen wichtige Schritte gingen. Auf all diese starken und mutigen Frauen* sind wir in diesem Text kaum eingegangen, wie es leider häufig passiert. Doch auch wenn wir die Verehrung von Einzelpersonen oder sogenannte “Personenkulte” kritisch sehen, haben wir uns dennoch entschlossen, auf diese zwei Frauen der Geschichte besonders einzugehen und über ihre Ideen zu schreiben, unter anderem, da es in ihren Leben viele Parallelen gibt und sich anhand ihres Wirkens gut all den starken Frauen* gedenken lässt, welche vor und für uns kämpften.
Ihr könnt uns gern schreiben, wie ihr diese Problematik seht.

Erklärung der SJB zur Räumung der Liebigstraße 34

Auch wir sind traurig und wütend. Am Freitag, den 9. Oktober, wurde das queerfeministische Hausprojekt Liebig34 in Berlin Friedrichshain geräumt. Inmitten einer Pandemie und zu Beginn des Winters wurden 57 Menschen durch 5000, teilweise extra nach Berlin angereiste, Cops aufgrund der Profitinteressen eines Investors aus ihrem zu Hause geprügelt. Das ganze wurde einen Tag vor dem Inkrafttreten der neuen Corona-Verschärfungen inklusive Sperrstunde (aufgrund der aktuell stark steigenden Fallzahlen) druchgesetzt.
Die Profitinteressen von Gijora Padovicz stehen anscheinend über der Gesundheit von Menschenleben. Zudem war die Rechtsgrundlage der Räumung uneindeutig, der falsche Verein war verurteilt worden. Polizei und Senat sind nun darauf stolz, so prächtig die Interessen des sogenannten Rechtsstaates durchgesetzt zu haben. Ein solcher Rechtsstaat ist illegitim. Statt um Leben von Menschen geht es wie so oft um Profitfantasien Einzelner. Kein einziges mal wurde in den zahlreichen Beiträgen der Boulevard Presse auf die Perspektiven, Ideen und Vorstellungen der Bewohner*innen eingegangen. Es wurde nicht dargestellt, dass die Liebig34 ein politisches und kulturelles Zentrum des Kiezes war. Sie war ein Schutzraum für FLINT*-Menschen und Marginalisierte, ebenso wie politische Stimme und belebter Ort der Nachbarschaft.

Die Räumung der Liebigstraße 34 war ein Paradebeispiel für die Nutzlosigkeit und Grenzen eines sozialdemokratischen Senats. Ein Senat der sagte:
Wählt uns und die Stadt gehört euch!
Wir haben wieder einmal gesehen das dies nur Phrasen sind und sie uns nicht schützen werden.
Die Räumung eines Ortes wie der Liebigstraße 34, welcher ein einzigartiger Schutzraum für FLINTA* Menschen, ein Ort zum ausprobieren, ein Ort für Selstorganiserung, ein Ort des Widerstands Gegen die Stadt der Reichen war, ist ein Angriff auf uns alle.
Auf alle die tagtäglich gegen das Patriarchat kämpfen
Auf alle die sich kollektiv organiseren
Auf alle die in dieser Stadt keinen Platz mehr zum wohnen haben

Auf uns als Jugend; denn wir sind in dieser Stadt aufgewachsen und haben nun keinen Platz mehr in ihr. Wir dürfen gerne in Mitte arbeiten, die Stadt hipp, jung und alternativ machen, aber bitte nicht zu laut und nicht zu wild. Solange wie wir verwertbar sind, dürfen wir bleiben. Menschen ziehen in alternative und kulturell belebte Kieze und verdrängen dann die Alternativen und Kulturschaffenden.
Es ist ein Angriff auf alle, die in dieser Stadt versuchen zu leben und für eine bessere Gesellschaft zu kämpfen.
Ihr denkt, ihr habt mit der Räumung der Liebig Straße 34 unsere Träume und uns zertstört, doch ihr habt nur klar gemacht, nach welchen Interessen ihr handelt und die Grenzen und Positionen klarer gezogen.

Schon vor der Räumung haben wir gezeigt, dass diese Politik nicht mit unseren Vorstellungen eines solidarischen Zusammenlebens vereinbar ist.
Unter der Aktion JugendBesetzt wurden am Mittwoch fünf Häuser in Berlin besetzt. Wir wollen damit die besondere Rolle Jugendlicher in diesen sozialen Kämpfen hervorheben. Wir als Jugend stehen unter dem besonderen Druck uns zu organisieren und für die Zukunft zu kämpfen, welche uns jeden Tag von weißen alten Großkapitalisten und Politikern geraubt wird. Großkapitalisten wie Padovizc, welche Monopoly mit der Stadt spielen, in der wir ein freies und solidarisches Miteinander für alle aufbauen wollen.
Alle Protestformen der letzten Wochen, von den Kundgebungen im Kiez, den Nachbar*Innendemonstrationen bis hin zu militanten Formen des Widerstandes, schrien dasselbe in ihren unterschiedlichen Sprachen in die Welt hinaus:
Nein! Das ist unsere Stadt!
Es ist nun an der Zeit diese Kämpfe zu verbinden.

Denn letztendlich haben sie zwar die Liebigstraße 34 geräumt, nicht jedoch die Ideen und was sie politisch geschaffen hat.
Der Kampf geht weiter!

Mit diesen Worten wollen wir uns dem internationalen Aufruf zu den Aktions- und Disskussionstagen der Interkiezionalen vom 30. bis 31.10 anschließen.
Wir brauchen Freiräume und Schutzräume und wir brauchen radikalen Feminismus!
Liebig 34 lebt!

Aufruf zur Demo für Maria B. – “Ihre Mörder tragen Uniform”

Maria B. – Von Polizisten ermordet
Am 24. Januar diesen Jahres drangen vier bewaffnete Männer in eine Wohnung in der Grünberger Str. in Friedrichshain ein. Sie brachen die Tür, des in der Wohnung befindlichen Zimmers auf. Dahinter fanden sie, wie erwartet, Maria B., die sich mit einem Messer in der Hand am Ende des Zimmers befand. Aus 6 Metern Entfernung schossen die Polizisten der jungen Frau in die Brust. Diese starb an den Folgen der Attacke.
Danach folgte die Tirade der Täter: Sie hätten richtig gehandelt, die Reaktion sei legitim gewesen, sie seien ja für solche Situationen „ausgebildet“.
Es gibt viele Berufsgruppen, die regelmäßig mit Messern konfrontiert sind: Sozialarbeiter*innen, Pfleger*innen, Türsteher*innen u.v.m. Diese Menschen haben nicht die Möglichkeit und höchstwahrscheinlich auch nicht den Willen ihr Gegenüber zu erschießen. Und trotzdem, oder gerade deswegen, sind sie in der Lage, solche Situationen zu regeln, ohne dass Menschen dabei sterben müssen. Außerdem gibt es in Berlin den Sozial Psychologischen Dienst, Psycholog*innen die der Polizei ohnehin zur Verfügung stehen. Und die u.a. dafür da sind, Menschen in Krisen zu begleiten und Situationen zu entschärfen.
Da stellt sich die Frage: warum morden Polizist*innen?
Unter anderem, weil sie keine Strafen befürchten müssen. In gerade einmal 6% aller Fälle in denen wegen unrechtmäßiger Gewaltanwendung gegen Poizist*innen ermittelt wird, kommt es zur Anklage. Polizist*innen sind häufig so von sich selbst und dem Recht ihrer Tat überzeugt, dass sie dafür sogar über Leichen gehen.
Gedenken an Maria im Kiez verankern!
Wie zu erwarten war, hat die Staatsanwaltschaft die „Ermittlungen“ gegen den Mörder eingestellt. Es gab weder eine anschließende Stellungnahme, noch eine Randnotiz in irgendeiner Zeitung. Als wäre das nicht genug, wurde eine Gedenktafel für Maria nun schon zum vierten mal entfernt Nächsten Monat ist der Mord an Maria schon ein halbes Jahr her und wie so viele andere Polizeimorde, komplett aus der Öffentlichkeit verschwunden. Das wollen wir ändern!
Der Mord an Maria muss öffentlich sichtbar bleiben! Sorgen wir gemeinsam dafür.
Zu viele Menschen, die von Polizist*innen ermordet wurden, sind in Vergessenheit geraten. Es liegt in unserer Verantwortung, ihre Namen wieder in die Öffentlichkeit zu tragen. Lasst uns gemeinsam den Opfern tödlicher Polizeigewalt gedenken. Kein Vergeben, kein Vergessen!
Kommt am Freitag, den 24.07.um 17:00 zum gemeinsamen Gedenken zum Boxhagener Platz!

Wiedereröffnung des Jugendclubs Keimzelle – Unsere Träume, Freie Räume

Wir, das Keimzellen Kollektiv, haben uns dazu entschieden, unseren Jugendclub wieder zu öffnen.
Für uns ist dieser Schritt von großer Wichtigkeit, denn die Türen von Shopping Malls  stehen wieder offen, die Arbeit geht weiter und die Schule fängt an. Der gesellschaftliche Normalzustand soll wieder hergestellt werden. Deswegen sehen wir es gerade jetzt als essenziell an, unsere selbstverwalteten, nicht kommerziellen Räume wieder zu bespielen und zugänglich zu machen.
Also werden wir diesen Sonntag, den 14.06 um 20:00h, unsere Türen wieder öffnen und ein Freiluftkino im Hof der Keimzelle veranstalten! Es gibt auch Küfa und Getränke. 
 
Da die Pandemie noch nicht vorbei ist, wollen wir solidarisch mit den Bedürfnissen Anderer umgehen. Wir werden Plätze mit genügend Abstand und Desinfektionsmittel bereitstellen und generell aufeinander Achten.  Doch anders als die Regierung wollen wir an dieser Stelle niemandem etwas vorschreiben. Entscheidet selbst in welcher Weise ihr an diesem Event teilnehmen wollt, wenn ihr euch unwohl fühlt, könnt ihr euch immer an uns oder Mitmenschen wenden.
 
Aus unserer Sicht ist es notwendig, neben Begengungsräumen wie Kneipen, Biergärten oder Cafes, vor allem Jugendräume wieder zu öffnen. Wir haben in den letzten Monaten festgestellt, dass das Schließen der Keimzelle, aber auch anderer Orte, an denen Jugendliche zusammenkommen, die soziale Isolation vorangetrieben hat. Doch wir können uns keine weitere soziale Isolation leisten! Wir brauchen Orte, an denen wir uns als Jugendliche frei entfalten und entwickeln  können. Vor allem  ist es wichtig, dass die Organisierung der Jugend nicht zu kurz kommt. Es ist notwendig, dass es Räume gibt, die frei genutzt und gestaltet werden können. Deswegen; wenn ihr eine Jugendgruppe seid und einen Ort braucht, an dem ihr euer Plenum abhalten könnt oder auch sonst einfach mal einen Ort zum chillen, kickern und quatschen braucht, schreibt uns bitte über keimzelle@riseup.net an.
 
Die Keimzelle ist ein Ort für alle Jugendlichen, die einen brauchen!
Lasst uns achtsam und solidarisch sein und auf die Sicherheitsbedürfnisse anderer achten. Wie auch sonst finden wir zusammen und nicht durch irgendwelche auferlegten Regeln einen Weg.
Wir freuen uns, euch nächsten Sonntag, den 14.6, ab 20:00 in der Rigaer Straße 94 begrüßen zu können!  Ab 20:00h gehts los mit Küfa und Getränken. Gezeigt wird „Als wir träumten“.
Der Film fängt um 21:30 an! 

Bis dahin! 
Euer  Keimzellen Kollektiv!

Statement der Keimzelle zum Anlass des Gerichtstermin der Liebig 34

Wir kommen von dem Jugendraumkollektiv Keimzelle, dass sich in der Rigaerstraße 94 befindet. Die Keimzelle ist ein freier, selbstorganisierter Jugendraum. Und als solcher haben wir einige Dinge zur Räumungsbedrohung des Hausprojektes in der Liebigstraße 34 zu sagen.
 

 Uns Jugendlichen wird oft gesagt: sei du selbst. Und was für eine aufregende Phase in unserem Leben das doch sei, in der wir uns selbst ausprobieren und unsere Persönlichkeit finden können. Diese Selbstfindung bedeutet auch ein unabhängig werden von unserer Kernfamilie. Ein Ausprobieren an Orten, außerhalb der eigenen Wohnung. Genau deshalb empfinden wir es als großes Privileg, in einer Metropole wie Berlin zu wohnen, da wir hier so viele verschiedene inspirierende Lebenskonzepte an einem Ort finden. Doch obwohl Berlin immer weiter wächst und immer mehr Bewohner*innen eine Heimat bietet, schrumpft die Vielzahl an alternativen Lebenskonzepten immer weiter. Und wir als Jugendliche stellen uns die Frage; wie sollen wir wir selbst sein, wenn es in unserer Stadt bald keinen Freiraum mehr dafür gibt?    Das alternative Wohnkonzept der Liebig 34 ist ein ähnliches wie das der R94, in der sich unser Raum, die Keimzelle, befindet. Sie ist ein Hausprojekt, in welchem Menschen zusammen in einer Geminschaft leben und ein Freiraum für Andersdenkende. Die Räumung des Hausprojektes würde einen wichtigen Freiraum in Berlin zerstören. Das sehen wir nicht nur als Bedrohung für unser Kollektiv, sondern für noch so viel mehr. Die Liebig ist unentbehrlich für Berlin und die Jugendlichen, die hier zuhause sind. Als Schutzraum für FLINT* und LGTBQ+-Menschen handelt es sich um einen einzigartigen Freiraum. Das Haus ist nicht nur ein Ort, an dem wir uns sicher fühlen, sondern auch ein Ort, an dem wir uns mit unserer geschlechtlichen und sexuellen Identität frei von Vorurteilen auseinandersetzten können. Ein Ort, an dem wir wir selbst sein können.   Zusätzlich ist die Liebig 34 ein hoch politischer Ort. Nicht nur im Kampf gegen den Sexismus, sondern auch im Kampf gegen all die Ungerechtigkeiten, die in unserem Staat vorherrschen. Die Liebig unterstützt uns in unserer politischen Meinungsbildung, welche für uns einen zentralen Teil unserer Identität darstellt. Allein durch ihre Existenz im Kiez, und auch durch das Teilen von Informationen z.B. auf Kundgebungen oder über soziale Medien oder die Zusammenarbeit mit der Keimzelle direkt z.B. beim (politischen) Kiezradio oder in der Workshopreihe für Schüler*innen des queer-feministischen Jugendbündnisses Queer-Pferdchen.  

 Gleichzeitig symbolisiert die Räumungsbedrohung ein viel allgemeineres Problem. Denn das zerstören eines solchen Hausprojektes ist ein Symptom der fortschreitenden Gentrifizierung unserer Stadt. Und so stellen wir uns zusätzlich zu der Frage, wo wir unsere Freiräume finden, weitere Fragen: Können wir überhaupt in Berlin bleiben? Haben wir hier, wo wir aufgewachsen sind, wo unsere Verwandten und Freund*Innen wohnen noch eine Perspektive? Nicht nur, weil uns Orte der Auslebung fehlen, sondern auch weil wir ganz einfach keinen mit dem spärlichen Einkommen von jungen Menschen bezahlbaren Wohnraum finden. Unsere Heimat wird ausgehöhlt, vom Kern aus Luxussaniert und dann so teuer verkauft oder vermietet, dass für das, was diese Stadt einst ausmachte, was diesen Kiez eins ausmachte, kein Platz mehr ist. Für Künstler*Innen, für Freiräume, für alternative Lebenskonzepte. Und warum? Weil die Einzelpersonen, die ein Haus besitzen, mehr Rechte haben, als die Menschen die das Haus beleben, es zu einem Zuhause, zu einem gemeinschaftlichen Freiraum machen.   Dazu einmal, was auf Berlin.de über diesen Bezirk steht:„Friedrichshain ist heute eines der attraktivsten Wohnviertel in Berlin. Anfangs prägten die Alternativen, Studenten, Künstler und Punks das Stadtbild, dann wurde gebaut, renoviert und verändert. Heute ist der Stadtteil eine begehrte Wohngegend für Menschen mit ein bisschen mehr Geld im Portemonnaie, Familienbezirk sowie Szene- und Partyviertel, in das auch die Touristen kommen.“   Dazu sagen wir nein! Solche Entwicklungen und die Bedrohung unserer Freirräume machen uns unsagbar wütend! Wir sind noch hier und wir bleiben auch hier. Wir akzeptieren kein Haus weniger, jede Räumung hat ihren Preis. Die Liebig 34 muss bleiben; Für die  Bewohner*Innen, für die Stadt und auch für uns Jugendliche.